Theater AG spielt „Die Welle“

Die Hitzewelle erreichte gerade ihren ersten Höhepunkt, als die Theater AG am 19. Juni 2026 das Stück „Die Welle“ gab. War im vergangenen Jahr mit „Alice im Wunderland“ eine Reise in die Fantasie unternommen worden, bewegte sich das 2025 neu aufstellte Ensemble nun in die Realität und nahm sich eines klassischen Stoffes an.

„Die Welle“, ein über 2.5 Millionen Mal verkauftes Jugendbuch von Morton Rhue stammt aus dem Jahr 1981 und bezieht sich auf ein Experiment – The Third Wave -, welches ein Highschoollehrer 1967 in den USA mit seinen Schülerinnen und Schülern durchführte. Nicht durch Auswendiglernen, sondern durch Erleben soll im Unterricht das Funktionieren einer Diktatur verstanden werden.
Eine chaotische Klasse findet plötzlich zur Ordnung, entwickelt, immer selbstständiger werdend, Abzeichen, Kleidungen und eine Grußformel und geht über Gehorsam und Disziplin plötzlich den Weg hin zur direkten Aktion. Freundschaften zerbrechen und Liebesbeziehungen lösen sich auf; das passiert, wenn Menschen ihre Individualität auf dem Altar geführter Gleichförmigkeit der Masse zum Opfer bringen.

Das Publikum wurde Teil eines Prozesses, in dem die Einzelnen Stück für Stück zu einer Bewegung werden, kaum mehr etwas hinterfragen und sich an einem Phänomen berauschen, welches bereits im 19. Jahrhundert der Psychologe Gustave Le Bon beschrieb: Die Psychologie der Masse.
Das Publikum nahm dieses Mal nicht im traditionell als Theaterbühne genutzten Forum Platz, sondern im Lichthof. Das Ensemble agierte auf Podesten und nutzte, daher auch der Umzug, mehrfach das Obergeschoss von Bau 2, als beispielsweise zu Beginn alle Figuren sich am Geländer vorstellen, dann von ihren Punkten zusammenkommen und zu dem werden, was am Ende in einer dramatischen Darstellung wieder aufgelöst wird. Hier rollen nun Fahnen herab und die Verführten und Verführer wachen auf – fast alle…
Herr Fischer und Frau Fleischer übernahmen die Rollen des Geschichtslehrers und der Musiklehrerin und spiegelten zu Beginn auf der reflexiven Ebene wider, was geschah, bis plötzlich die Bewegung auch in das Privatleben des Paares hinein schwappt und beide von der Welle erfasst werden.

Den beiden Regisseurinnen, Frau Krämer und Frau Wolff, gelang es erneut, vieles in die Verantwortung und Hände ihrer Schauspielerinnen und Schauspieler zu geben, ein Vertrauen, das mit Leidenschaft belohnt wurde. Die Figuren blieben keine und begannen sich zu entwickeln und während am Anfang Robert noch sehr zurückhaltend und schüchtern wirkte, entgleiten ihm die Worte immer häufiger, je weiter der frühere Außenseiter in der Hierarchie der Bewegung aufsteigt.

Ein Stück, das zeigt, wozu Schülerinnen und Schüler in der Lage sind, nimmt man sie als Individuen wahr, unterstützt sie und schenkt Vertrauen.
Wir sind gespannt darauf, was diese Menschen, die sich vergangenes Jahr gefunden haben, 2027 auf die Bretter oder Podeste bringen werden. Das Theater wächst.

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