Nein sagen lernen – Theaterbesuch der 8c bei #constantcraving
Am 27. November besuchte die Klasse 8C im Rahmen des Biologieunterrichts zum Thema Sucht das Theaterstück #constantcraving des Jungen Badischen Staatstheaters Karlsruhe.
#constant craving – „Unwiderstehliches Verlangen“ klingt verlockend, „Suchtdruck“ eher bedrohlich. Beide Begriffe umschreiben jedoch dasselbe: Übersetzt bedeutet der aus dem Englischen stammende Begriff „craving“ soviel wie Verlangen oder Begierde. In der Wissenschaft wird dieser Begriff verwendet, um das starke Verlangen bei Suchtkranken nach einer bestimmten Substanzwirkung zu beschreiben. Craving wird dabei durch bestimmte Reize ausgelöst, die mit dem Substanz Konsum in Verbindung gebracht werden.
Im Rahmen einer besonderen Kooperation zwischen dem Präventionsbüro SUCHT der Stadt Karlsruhe, der Suchtberatungsstelle Ettlingen, dem Sachgebiet Suchtprävention des Landratsamtes Karlsruhe und dem Jungen Staatstheater entstand unter dem Theaterautor Daniel Ratthei ein Stück über die Bedeutung von Sucht, das gerade einmal mit zwei Darstellerinnen auskommt. Obwohl… genau genommen ist es nur eine Person und doch gleichzeitig zwei Persönlichkeiten. Die introvertierte und spröde Mia gerät durch erste Partyerfahrungen an die ersten berauschenden Substanzen. Diese wecken in ihr eine neue, andere Mia. Eine attraktive, kontaktfreudige, aufregende Mia, die vielleicht immer schon da war, aber sich nie getraut hat zum Vorschein zu kommen. Mia steht anfänglich mit genau dieser vermeintlich besseren Version von sich selbst im Zwiespalt, erkennt die Bedrohungen und Gefahren die auf dem eingeschlagenen Weg lauern, vermag aber dann doch im entscheidenden Moment nicht „nein“ zu sagen. Dabei durchläuft sie den Alltag eines ganz normalen Teenagers mit allen Höhen und Tiefen in Schule, social media, mit Eltern und in ersten Liebesbeziehungen. Dabei lässt sie sich anfangs von ihrer imaginären 2.0-Version zu riskanten Manövern überreden, übernimmt jedoch im Laufe des Stücks immer mehr die Initiative zum aktiven Konsum immer härterer Rauschmittel. Nach einer guten Stunde ertönt die letzte Sprachnachricht ihres neuen Freundes: „Ich habe neues Zeug, das ballert richtig…“. Ein letztes fast schon resigniert klingendes: „Okay, ich komm vorbei.“ und der Saal verdunkelt sich. Das Ende lässt die ca. 140 Schüler im Publikum im Ungewissen über das Schicksal von Mia, was den Applaus jedoch nicht schmälerte.
Im Anschluss an das Stück konnte das Publikum einer Mitarbeiterin der Suchtberatungsstelle Karlsruhe und einem Ex-Konsumenten Fragen rund um das Thema Abhängigkeit und Sucht stellen. Letzterer berichtete, dass sein Abrutschen in den Substanzmittelmissbrauch dem Theaterstück sehr ähnelte. Oft führt er vom „normalen Feiern“ über exzessives Trinken über Rauchen und Cannabis. „Und dann hatte man Dealer halt auch mal Koks dabei und hat es uns angeboten. Von da an ging es bei mir richtig bergab.“ Durch die Bestätigung dieser authentischen Erfahrungen wurde die Intention des Theaterstücks noch einmal verstärkt und bleibt allen Besuchern hoffentlich nachhaltig im Gedächtnis, so dass sie – sollte es einmal dazu kommen – im Stande sind im richtigen Moment „nein“ zu sagen. (Teo)

