Aysin Özcelik gewinnt Schreibwettbewerb der Karlsruher Gymnasien 2026
„Das Fenster ist alt. Es schließt nicht richtig, egal wie sehr man es versucht. Der Wind findet immer seinen Weg hinein, trägt Gerüche von draußen mit sich, manchmal auch Geräusche, die ich nicht einordnen kann. Draußen steht ein Baum. Seine Äste sind dick, verwachsen, voller Narben. Er muss schon hier gestanden haben, lange bevor dieses Haus gebaut wurde. […]
Der Schrank fällt mir erst später auf. Er steht in der Ecke, leicht schief, als hätte jemand ihn hastig abgestellt. Eine Tür klemmt, die Rückwand wirkt locker. Als ich sie berühre, gibt das Holz nach, fast widerstandslos. Dahinter liegt ein Heft: Es ist schmal, unscheinbar, kein Titel, kein Name, der Einband verblasst, die Seiten dünn und vergilbt. Ich nehme es vorsichtig in die Hand, zögere. Es fühlt sich an, als würde ich etwas berühren, das nicht für mich bestimmt war. Ich öffne es trotzdem. „Wenn du das liest, bist du mir nah – auch wenn du es nicht weißt.“ Der Satz trifft mich unerwartet.“
Aysin Özcelik aus der 10c beteiligte sich bereits zweimal am Schreibwettbewerb, der seit 2018 von der Jugendstiftung der Sparkasse Karlsruhe und der Literarischen Gesellschaft Karlsruhe veranstaltet wird.
Der Schreibwettbewerb „Lust am Schreiben“ zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie lebendig die Schreibkultur unter jungen Menschen ist. Mit Fantasie, Mut und Sprachgefühl bringen sie ihre Gedanken zu Papier – und beweisen, dass Literatur auch heute noch bewegt, verbindet und inspiriert.




Dieses Jahr war das Thema, um welches eine höchstens fünfseitige Geschichte geschrieben werden sollte, eines, das gut greifbar und doch luftig war: „Nähe und Ferne“.
Aysin verlegte ihre Geschichte in ein altes Haus, in welchem eine junge Frau in einem Schrank ein Jahrzehnte altes Buch findet, in dem ihr Name steht. So entspinnt sich über das Buch eine schriftliche Konversation über die Zeit hinweg. Die Schnelllebigkeit moderner Messengerdienste wird entschleunigt und auf Papier gebracht, es entsteht durch eine nicht überwindbare zeitliche Distanz eine ganz andere Art von Nähe.
Dieses Jahr nahmen am Wettbewerb über 20 Karlsruher Gymnasien und mehr als 160 Schülerinnen und Schüler teil.
Aysin gewann in diesem Wettbewerbsumfeld den ersten Platz in den Klassen 10/11 und wurde am 13.07.2026 in der Literarischen Gesellschaft mit allen weiteren Preisträgerinnen und Preisträgern feierlich gewürdigt. Souverän las sie ihre Geschichte vor und erhielt unter tosendem Beifall ihre Auszeichnung als Gewinnerin des Jahres 2026.
Der größte Preis jedoch besteht darin zu schreiben. Die Freude am kreativen Erschaffen einer eigenen Welt, die nur im eigenen Kopf und in den Köpfen der Leserschaft besteht.
… Aysins Geschichte wurde bereits gedruckt und herausgegeben im diesjährigen Sammelband des Wettbewerbs. Gedruckt und das auf Papier.
Herzlichen Glückwunsch, Aysin!
(ki)

