Abitur 2025

Es ist vollbracht, ihr habt es vollbracht!

Nach acht Jahren verlasst ihr unsere Schule und nehmt einiges mit: Freundschaften, Wissen, Können und unsere Verbundenheit!

Die Prüfungen sind geschrieben, die Reden gehalten, nun ist es an euch: freut euch und feiert.

Nicht nur der 11.07.2025 gehört euch!

Herzlichen Glückwunsch!

 

Schulleiter Herr Thorsten Uhde; Herr Dr. Pabst, Vorsitzender des Elternbeirats; Herr Stefan Martus, Bürgermeister der Stadt Philippsburg; Traudel Armbrust, Beisitzerin des Freundeskreises; Devin und Silas; Herr Marcus Käpplein, Jahrgangsstufenlehrer; Schülersprecherin Frau Nicole Geibel; die Zeugnisse…

 

 

Scheffelpreisträgerin Frau Rieke Schweda

 

KI or not KI, that was the question.

Und das in den unterschiedlichsten Situationen im Laufe unserer Schulkarriere. Da wären zunächst einmal die wenig geliebten Hausaufgaben, die sich mit ChatGPT und Co nun mal einfach schneller erledigen lassen, manchmal sogar ohne dass die Bildung darunter leidet. Aber auch als Beispiele im Unterricht und als, nennen wir es „Inspiration“ in Klausuren kam Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Und so habe ich in meiner inspirationslosen Phase und mit vom Abisturm völlig zerstörtem Schlafrhythmus mal ChatGPT nach einem Vorschlag für diese Rede hier gefragt. Und, um es kurz zu machen, rausgekommen ist absoluter Müll. Also: Weg mit ChatGPT und selber überlegen.

Was mir dabei eingefallen ist, ist ein Satz, den wir insbesondere in Chemie und Ethik oft gehört haben: Es war durchwachsen.

Durchwachsen ist so ein Wort, das die vergangenen Schuljahre und generell das Leben ganz gut beschreiben kann. Wir alle haben Tiefen und Höhen hinter uns. Es gab Corona und den Schulbrand, aber auch ganz persönliche Ereignisse wie schlechte Noten, Fehlwahlen oder zwischenmenschliche Konflikte. Aber es gab auch Klassen- und Studienfahrten, neue Freundschaften und auf eine vielleicht unverständliche Weise produktive Lernsessions mit Freunden zu den unmöglichsten Uhrzeiten.

Jetzt hier zu stehen und nur die schönen Zeiten zu betonen, wäre heuchlerisch. Zum einen, weil miese Zeiten ein signifikanter Bestandteil unserer Schullaufbahn gewesen sind und deswegen Erwähnung verdienen. Auch, weil sie zeigen, wo wir hergekommen sind und was wir schon erreicht haben.

So kann ich unsere Einheit nur betonen, wenn ich auch erwähne, wie es davor war. Vier gute Klassengemeinschaften, die miteinander aber nicht allzu viel zu tun hatten. Gesehen haben wir uns ab und zu in Sport, Reli, Ethik oder auf dem Flur, aber wirklich gut kannten wir uns nicht. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass nicht immer alles reibungslos lief. Dass es Meinungsverschiedenheiten, Kommunikations- und Organisationsprobleme gab und bis zum Schluss gegeben hat. Umso beeindruckender finde ich es, dass wir uns als Stufe im Großen und Ganzen zusammenraufen konnten und es geschafft haben, eine Gemeinschaft zu werden, in der man vielleicht nicht jeden mag, aber trotzdem anständig miteinander umgehen kann. In der man neue Freunde finden und zusammen unter anderem einen wunderbaren Abisturm schmeißen konnte. Und dafür bin ich verdammt stolz auf uns.

Zum anderen muss ich die Tiefen erwähnen, weil wir uns auch später noch daran erinnern müssen, dass es sie gab. Damit wir nicht irgendwann dastehen und es ernst meinen, wenn wir sagen: „Früher war alles besser.“

Manches, sicherlich. In der Unterstufe hatten wir noch die Energie, die ganze große Pause lang – selbstverständlich nur auf dem Schulhof – Fangen zu spielen, und haben uns nicht darum geschert, was andere von uns dachten. Und das ist etwas, was wir uns bewahren sollten. Diese Leichtigkeit und den Mut, anders zu sein und aufzufallen, solange wir dabei niemandem schaden. Aus unsinnigen Konventionen auszubrechen und unseren eigenen Weg zu gehen. Heutzutage wird immer viel von Selbstfindung und Selbstverwirklichung gesprochen, zwei Dingen, die verdammt viel Arbeit erfordern. Mit dem Abitur haben wir eine große Hürde auf diesem Weg genommen. Eine Hürde, die enorm viel Zeit, Energie und Nerven gekostet, die aber auch unser Selbstvertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten gestärkt hat, denn wenn wir tatsächlich so unfähig wären, wie wir manchmal denken, wie hätten wir es dann bis zum Abi gebracht?

Und Selbstvertrauen und eine gesunde Portion Zuversicht werden wir in Zukunft bitter nötig haben. Denn wir sind eine Generation, die viele Probleme geerbt hat und für vieles Lösungen finden muss. Den Klimawandel, ein Schulsystem, das definitiv noch Luft nach oben hat, und die fortschreitende Zerstörung der Demokratie auf der ganzen Welt. Zurück zu einer verklärten Vergangenheit zu wollen, kann nicht die Lösung sein, ein Blick auf die Geschichte reicht, um das festzustellen. Ich wünsche uns allen daher die Fähigkeit, auf die Vergangenheit zu blicken und zu sagen: „Das war gut, das nicht, und so machen wir es in Zukunft besser.“ Sei es jetzt in Bezug auf unser persönliches Lernverhalten oder den Rechtsruck vieler Demokratien, auf uns als Individuen oder die ganze Gesellschaft.

Woran wir uns sicher gerne erinnern werden, ist die Unterstützung, die wir insbesondere in den letzten zwei Jahren erhalten haben, sei es aus dem Freundeskreis, in der Familie oder von unseren Lehrkräften. Ich denke, jeder von uns findet hier sein ganz persönliches Vorbild, dessen Hingabe und Engagement außerordentlich waren und ohne die wir es sicher nicht bis hierhin geschafft hätten. Deswegen an dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an alle diese Vorbilder, auch wenn einige von meinen mir diese Rede hier eingebrockt haben.

Für keinen von uns endet das Lernen hier, viele gehen direkt weiter an die Uni oder fangen ihre Ausbildung an. Und wenn es eins gibt, was ich aus der Abiturvorbereitung mitgenommen habe, dann ist es die Erkenntnis, dass kein Abschluss der Welt es wert ist, dass die Lebensqualität dauerhaft darunter leidet. Auch wenn ich mich auf ein Abitur vorbereite, möchte ich noch leben, und leben heißt nicht, sämtliche Hobbys und Freunde aufzugeben, um jeden Tag im selben Zimmer mit Lernen zu verbringen. Auch das möchte ich uns mit auf den Weg geben.

Und was die Anfangsfrage angeht und um den vielgepriesenen Bogen zwischen Einleitung und Schluss zu spannen, KI kann durchaus sinnvoll und eine Bereicherung und Hilfe sein. Aber manchmal lohnt es sich auch, selber zu denken und so Dinge wie eine Rede selber zu schreiben, denn dann bekommt man die Möglichkeit festzustellen, dass man es ja doch kann.

Sie alle kennen unser Abimotto, wir haben eine Aufmerksamkeitsspanne von etwa zwei Minuten und die hab ich mittlerweile überstrapaziert. Deswegen vielen Dank und viel Spaß mit unserem letzten Lied „Auf uns“.

Bilder: Michael Beck, Stefan Kirstätter

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