Erdbebenvorhersage

Oftmals finden stärkere Erdbeben in größtenteils unbewohnten Gebieten statt. Bebt die Erde aber in dicht besiedelten Gebieten bzw. Städten, so hört man von zahlreichen Verletzten oder gar Toten. An dieser Stelle drängt sich nun die Frage auf, ob man nicht in der Lage gewesen wäre, das Erdbeben vorauszusagen und somit die unmittelbar erdbebengefährdeten Regionen rechtzeitig zu evakuieren. 

Zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt ist diese Frage zu verneinen. Man weiß zwar Bescheid um besonders gefährdete Regionen, jedoch kann man nur die Gefährdung innerhalb eines großen Zeitraumes vorhersagen oder lediglich feststellen, daß es sich um ein gefährdetes Gebiet handelt. Weder der exakte Zeitpunkt, noch der Ort oder die Stärke eines Bebens lassen sich (bis jetzt) genau feststellen.

Trümmer nach einem Erdbeben in der Türkei

Nach einem Erdbeben in Westindien ist die 
Erdoberfläche aufgerissen


 

Damit sich dies ändert, arbeiten Seismologen weltweit am Problem der Erdbebenvorhersage. Als mögliche Symptome für ein bevorstehendes Erdbeben werden die Häufung von kleineren Vorbeben, Auffälligkeiten an der Erdoberfläche, Austritte von Gasen, Veränderungen in der elektrischen Leitfähigkeit von Gesteinen oder Veränderungen im Grundwasserspiegel in Betracht gezogen. Außerdem betrachtet man Veränderungen im Magnetfeld und das Verhalten von Tieren. Bis zur heutigen Zeit gab es über die Jahrhunderte hinweg Berichte über merkwürdiges Verhalten bei Tieren vor einem Erdbeben. Die Wissenschaft steht dem, mit Ausnahme chinesischer und russischer Erdbebenforscher, bislang eher skeptisch gegenüber, denn konkrete Zusammenhänge zwischen anomalem Tierverhalten und einem Erdbeben sind wissenschaftlich nicht nachweisbar. Auch die anderen Faktoren, wie die geochemischen und geophysikalischen Veränderungen lassen keine genaue Vorhersage zu, da die komplexen Wechselwirkungen in der Erdkruste dazu führen können, daß schon sehr kleine Einflüsse ein Beben auslösen können. Darüber hinaus sind die lokalen Unterschiede im Aufbau der Erdkruste sehr groß. Die Verschiebungsvorgänge entlang verschiedener Störungszonen laufen unterschiedlich ab.

Die meisten Geowissenschaftler sind sich darüber im klaren, dass eine Prognose unter diesen Umständen ausgesprochen schwierig ist, glauben aber, dass allein aus dem beinahe chaotischen Verhalten nicht die Unvorhersagbarkeit folgen muss. Einige Seismologen bezweifeln jedoch völlig die Möglichkeit einer zuverlässigen Vorhersage.

Patrick Weick