An einem Freitagmorgen brachen wir, die Mitglieder des Eduseis-Projektes, den Unterricht früher ab, um uns auf den Weg zum Bahnhof zu machen, von wo wir mit unserem AG-Leiter Herrn Theilig Richtung Freiburg zum Landeserdbebenzentrum Baden-Württemberg im Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbaustoffe losfuhren. Nachdem wir einige Male umgestiegen und unser anderer AG-Leiter Dr. Hoffmann zugestiegen war, erreichten wir Freiburg. Dort angekommen, entschieden wir uns für einen Umweg durch die Altstadt, damit uns Dr. Hoffmann noch die Geschichte Freiburgs näher bringen konnte, die sich im historischen Stadtkern widerspiegelt. Da wir uns dafür jedoch etwas zuviel Zeit genommen hatten, mussten wir den restlichen Weg im Eilmarsch zurücklegen. Als wir etwas außer Atem am Landesamt angekommen waren, hielt Herr Brüstle, einer der zuständigen Spezialisten, für uns einen Vortrag über Erdbeben.
Die Grundlagen dieses Vortrages waren im einzelnen:
| 1. | Welche Auswirkungen Erdbeben haben und welche Arten von Verwüstung sie verursachen können. |
| 2. | Ob es Möglichkeiten gibt, Erdbeben vorherzusagen, oder ob etwas dementsprechendes in der Entwicklung sei. |
| 3. | Welche Vorsorgen und Arten von Vorbereitungen die dafür Verantwortlichen im Falle solcher Katastrophenfälle treffen sollten. |
| 1.a) | Wie viele wissen, treten Erdbeben hauptsächlich (99% aller Fälle) an den Plattenrändern auf, wenn aufgestaute Energie schlagartig entladen wird, dennoch gibt es einen geringen Anteil von Beben, die innerhalb einzelner Platten auftreten, sogenannte Intraplattenbeben. Eine Erklärung dafür sei, dass möglicherweise Beben an alten Plattengrenzen ausgelöst werden, an denen sich sehr viel Energie aufgestaut hat. |
| 1.b) | Ein weiterer interessanter Punkt war, wie stark Erdbeben in Europa und speziell in unserem Gebiet werden können. Obwohl im südlichen und südostlichen Europa relativ starke bis schwere Erschütterungen möglich sind, ist es unwahrscheinlich, dass auf deutschem Gebiet ein stärkeres Erdbeben als Stufe 4 auftritt. Der Rheingraben ist zwar ein erdbebengefährdetes Gebiet, an dem sich jedoch keine zu starken Energiespannungen zu sammeln scheinen. Erdbeben in Deutschland entstehen entweder durch Kompressionsspannungen, die von der afrikanisch-eurasischen Plattengrenze ausgehen oder durch das Eingreifen des Menschen, im Falle von Bohrlöchern und Minenschächten. |
| 1.c) | Erdbebenwellen, die sich mit einer relativen Geschwindigkeit von 6 km/s ausbreiten, richten Schäden an, die von multiplen Faktoren abhängen: Es treten einerseits geringere Schäden auf, wenn sich der Erschütterungsursprung weiter entfernt befindet. Andererseits hängen die Schäden davon ab, welche Magnitude und Erschütterungsfrequenz vorliegt. Wenn die Erschütterungsfrequenz der Schwingungsfrequenz des Gebäudes gleicht, entsteht die stärkstmögliche Belastung für dieses Gebäude, da es praktisch selbst die Schwingung verstärkt. Diese Erschütterungsfrequenz hängt natürlich von der Untergrundbeschaffenheit, der Art des Gesteins ab, auf dem ein Gebäude steht. Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Faktor ist auch, wie gut und erdbebensicher das Gebäude konstruiert wurde, das Material, welches dafür verwendet wurde, und in welchem Zustand das Gebäude ist. |
| 1.d) | Wie oft kommen Erdbeben vor und wenn wo? Die meisten Erdbeben treten in den Ozeanen auf, können aber trotzdem eine Gefahr für das Land sein, wenn sie sich in Flutwellen äußern. Während sich in Deutschland im Regelfall allerhöchstens ein Beben der Stufe vier oder fünf pro Jahr ereignet, erschüttern etwa über 6000 derselben Stärke die Welt in demselben Zeitraum. Des weiteren gibt es 800 der Stufe sechs und sieben, 120 der Stufe acht, immerhin noch 18 der Stufe neun und vielleicht eines der Stufe zehn. |
| 2.a) | Aufgrund zahlreicher Messstationen in Baden-Württemberg und seiner Umgebung sind im Gebiet des Rheingrabens alle Erdbeben messbar. Sie werden anhand der Richterskala, die die Erschütterung am Erdbebenherd misst, eingeteilt. Eine weitere Messmöglichkeit ist die Intensitätsskala, die das subjektive Erschütterungsgefühl an irgendeinem Punkt misst. Dies ist deswegen aber eine relativ unverlässliche und somit unwichtige Einteilungsmöglichkeit. |
| 2.b) | Zur Frage, ob es möglich sei, Erdbeben vorherzusagen, mussten wir leider erfahren, dass es bis jetzt keine Möglichkeit gibt und allerhöchstens Ansätze für Ideen vorhanden sind. Man kann sich hierbei nur auf statistische Prognosen und mathematisch-abschätzende Errechnungen stützen, die jedoch nicht sicher sind. |
| 3.a) | Vorsorgen kann man in dem Sinne, dass man in nicht zu gefährdeten Gebieten baut, und wenn doch, dass die Gebäude nach speziellen Bauvorschriften errichtet werden, wie sie auch in Baden-Württemberg einzuhalten sind. Diese Bauvorschriften werden durch den jeweiligen Bauplatz und das Erdbebenrisiko bestimmt, nach dem auch Versicherungen ihre Beiträge berechnen. Das Risiko setzt sich zusammen aus der Gefährdung des Gebietes und dem Schadenspotenzial, das verursacht werden könnte. Herr Brüstle erläuterte dies am Vergleich Alaska - Deutschland: Alaska ist zwar größtenteils ein sehr erdbebengefährdetes Gebiet, aber das Schadenspotenzial ist sehr gering, da es in großen Teilen unbebaut ist, also nichts existiert, was zerstört werden könnte. In Deutschland hingegen kann ein Erdbeben der Stufe 5, aufgrund der dichten Bebauung schon sehr große Zerstörung hervorrufen. |
| 3.b) | Der letzte Punkt des Vortrages waren die Vorhaben für
die Zukunft: Der Ausbau der Erdbebenmessnetze, eine Verbesserung der Bauvorschriften
und verstärkte Notfallplanung, falls es in Deutschland doch einmal
zu einem gefährlicheren Erdbeben kommen sollte. In der Forschung soll
besonderes Gewicht auf die Entdeckung potenzieller Erdbebenherde, die Paläoseismologie,
die Mikrozonierung und die Schadensanfälligkeit von Gebäuden
gelegt werden.
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Matthias Hummel