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Akten- und Fotofund: Gründung des Gymnasiums Philippsburg (1963-1971)

In alten Kisten sind bei Archivierungsmaßnahmen seltene Fotgrafien und Schriften aus der Anfangszeit des Copernicus-Gymnasiums aufgetaucht. Jene wollen wir Stück für Stück veröffentlichen und der Schulgemeinde zugänglich machen. Unser Historiker-Team scannt, editiert, interviewt und recherchiert „rund um die Uhr“. Diesen Fund wollen wir zum Anlass nehmen, unsere eigene Geschichte zu beleuchten und in regelmäßigen Abständen auf der Homepage nun Beiträge zur Historie des Copernicus-Gymnasiums und der Menschen, die es lebendig machen, veröffentlichen.

Als erste Ehemalige haben sich Dr. Hartmut Link und Fred Kerner bereit erklärt, aus ihren Sammlungen Fotomaterialien zur Verfügung zu stellen. Vielen Dank!

Für alle weiteren Zeugnisse aus der Vergangenheit des Copernicus – ob Fotos, Texte oder persönliche Gespräche – sind wir dankbar! Wir fangen gerade erst an.

Den Beginn machen hier Fotografien, welche den Bau des Gymnasiums dokumentieren, ergänzt um einen Text des Gründungsdirektors Kurt Brandes, welcher in der Festschrift zur Namensgebung im Jahre 1980 erschien. Der Text wurde im Originalzustand belassen, allein Hervorhebungen wurden zugefügt. Die Fotos wurden der Schule 1980 von Herrn Witzel übergeben. (ki)

14. 3. 63: Die Stadtverwaltung greift die Bemerkung des Landrats in seiner Etat-Rede auf und bekundet in einem Schreiben an das damalige Landratsamt Bruchsal ihr Interesse am Sitz eines Gymnasiums.

16. 4. 63: In einer Anfrage des damaligen Landratsamts Bruchsal an die Bürgermeisterämter der Bruhrain-Gemeinden heiflt es: „Um den Sitz eines solchen Gymnasiums hat sich bereits die Stadt Philippsburg beworben. Außerdem ist die Bundeswehr durch die Errichtung einer Garnison in Philippsburg sehr stark an einem Gymnasium in Philippsburg interessiert.“

14. 2. 64: Auszug aus den Ausführungen des Landrats Dr Müller zur Vorlage und Begründung des Haushaltsplans des damaligen Landkreises Bruchsal für das  Rechnungsjahr 1964: “ … In der Zwischenzeit wurde die Frage der Errichtung eines Gymnasiums in diesem Raum in den interessierten Kreisen sehr stark diskutiert und viele Gründe wurden für oder gegen ein solches Gymnasium ins Feld geführt. Bereits seit längerer Zeit liegt beim Landkreis eine offizielle Bewerbung der Stadt Philippsburg um den Sitz eines solchen Gymnasiums vor… (eine) Umfrage hatte zum Ergebnis, daß gegenwärtig aus den Gemeinden Huttenheim, Kirrlach, Oberhausen, Philippsburg, Rheinhausen, Rheinsheim, Waghäusel und Wiesental insgesamt 261 Schüler eine höhere Schule besuchen … Die Zahl der Schüler würde sich …. bei der Errichtung eines Gymnasiums in diesem Raum sicherlich ganz erheblich steigern, weil viele Schüler und Schülerinnen allein durch die ungenügenden und beschwerlichen Verkehrsverhältnisse und auch aus finanziellen Gründen vom Besuch des Gymnasiums in Schwetzingen oder Bruchsal abgehalten werden. Außerdem ist damit zu rechnen, daß auch aus anderen Gemeinden benachbarter Landkreise (gemeint waren hier wohl die zum damaligen Landkreis Karlsruhe gehörenden Gemeinden Graben-Neudorf und Rußheim) ganz sicherlich Schüler ein Gymnasium in diesem Raum besuchen wurden …   Ich habe das Ergebnis der Umfrage und unsere Vorstellungen am 6. 9. 63 dem Oberschulamt Karlsruhe unterbreitet, … da ja die Errichtung einer solchen Schule nicht allein in die Kompetenz des Schulträgers fällt…“

16. 4. 64: Besprechung zwischen dem Landrat und den Bürgermeistern aus Huttenheim, Kirrlach, Kronau, Neudorf, Oberhausen, Philippsburg, Rheinhausen, Rheinsheim, Waghäusel und Wiesental im Gasthof „Rose“ bei der Neudorfer Mühle. Die Diskussion erbrachte das folgende Ergebnis:

zu 1: Die Bürgermeister aller beteiligten Gemeinden mit Ausnahme des Bürgermeisters von Kronau, dessen Gemeinde außerhalb dieses Raumes liegt, haben ein Interesse an der Errichtung eines Gymnasiums.

zu 2: Hinsichtlich des Standorts ergab sich weder für Philippsburg noch für Waghäusel eine Mehrheit.

zu 3: Eine Bereitschaft für eine finanzielle Beteiligung am Bau und Unterhalt eines Gymnasiums war seitens der vertretenden Gemeinden nicht erkennbar.

Nachdem somit die Schaffung eines Schulzweckverbandes  nicht möglich war, erklärte  Bürgermeister Karl Frank, Philippsburg, daß sich die von ihm vertretene Gemeinde nunmehr auch als Trägerin des Gymnasiums bewerben wolle.

12. 5. 64: Antrag der Stadt auf Errichtung eines Gymnasiums in Philippsburg. Das Schreiben an das Oberschulamt Nordbaden beginnt mit dem Satz:

„Durch den Gemeinderat der Stadt Philippsburg wurde in der Sitzung vom 22. 4. 64 beschlossen, daß sich die Stadt als Trägergemeinde für ein in Philippsburg zu errichtendes Gymnasium bewirbt.“

15. 6. 64: Informationsgespräch über die Frage der Gestaltung der gymnasialen Schulverhältnisse im Landkreis Bruchsal unter der Leitung des Oberschulamts Karlsruhe. Auszug aus dem Sitzungsprotokoll:

„ … Bürgermeister Frank faßte noch einmal die Gründe zusammen, die nach Auffassung des Gemeinderats für Philippsburg sprechen und betonte, daß die Stadt gewillt sei, die Schulträgerschaft zu übernehmen. Die Bundesbahn sei bereit, Schulsonderbusse nach Philippsburg einzusetzen …

Präsident Dr. Rücken stellte zusammenfassend fest, es sei erfreulich, daß Philippsburg so schulfreudig sei, dies sei ein starkes Argument zugunsten dieser Stadt….

Dr. Unruh faßte das Ergebnis der Aussprache zusammen: Der Landkreis Bruchsal mit seinen derzeit rund 125 000 Einwohnern könne als gymnasial erschlossen angesehen werden, wenn insgesamt 5 Gymnasien … vorhanden seien, von denen 3 in der großen Kreisstadt Bruchsal sein müßten. Je eines sollte im Nordwesten und Nordosten geplant werden, das erstere zunächst, das letztere später. Der genaue Standort müsse auf weiteren Besprechungen im engeren Kreis noch endgültig geklärt werden …“

Die Bemühungen von Bürgermeister und Gemeinderat um Sitz und Trägerschaft eines Gymnasiums in Philippsburg erweisen sich bald als erfolgreich. Am 1. 2. 65 findet zwischen Vertretern des Kultusministeriums, des Oberschulamts und der Stadtverwaltung im Rathaus die entscheidende Besprechung statt, wonach „.., zu Ostern 1965 in Philippsburg ein Progymnasium für Jungen und Mädchen eingerichtet werden (sollte), das mit der Klasse Sexta den Unterricht aufnehmen wird.“ Noch am Abend des gleichen Tages beschließt der Gemeinderat „… alle Maßnahmen in die Wege zu leiten, um die baldmögliche Erstellung eines eigenen Gebäudes für das Progymnasium zu ermöglichen. Hierbei (sei) die Planung so anzulegen, daß eine spätere Aufstockung zur Vollanstalt möglich (wäre).“

Die Gründung des Gymnasiums Philippsburg im Frühjahr 1965 konnte damals mit Recht als bedeutsames Ereignis für Philippsburg und sein Umland gefeiert werden. Lokalgeschichtlich gesehen fügt sich die Bereitschaft zur Übernahme der Trägerschaft für ein Gymnasium durch die Stadt Philippsburg in der Tat folgerichtig als Meilenstein in die von Bürgermeister Odenwald eingeleitete und von seinem Amtsnachfolger Karl Frank fortgesetzte kommunalpolitische Entwicklung, die im Jahre 1957 mit der Bewerbung zur Aufnahme einer Garnison begann und mit der Ansiedlung von Industrieunternehmen, eines Kernkraftwerks ihre zielstrebige Weiterentwicklung erfahren
hat.

4. 5. 65: Das Progymnasium Philippsburg nimmt mit 66 Schülern (35 Jungen und 31 Mädchen) in zwei Klassen den Unterricht auf.

Zunächst bietet das alte Volksschulgebäude in der Weissen-Tor-Straße der jungen schulischen Institution Unterkunft. Schon nach wenigen Monaten kann der Unterricht in einzelne Räume des teilweise fertiggestellten Neubautraktes der Volksschule beim Gerstenfeld verlegt werden. Als nun nach einem weiteren Schuljahr die bestimmungsgemäßen Benutzer im Volksschulneubau Einzug halten konnten, muß für das auf inzwischen 216 Schüler angewachsene Progymnasium ein neues Ausweichquartier gesucht werden. Das bedeutete Rückkehr in das nun frei gewordene Gebäude der „alten Volksschule“ für die nächsten 3 Schuljahre. Wider Erwarten entwickelt sich die Schule, die anfänglich noch als Außenstelle des Justus-Knecht-Gymnasiums in Philippsburg geführt wird, sehr günstig: Der dritte Schuljahrgang mußte bereits in drei Parallelklassen geführt werden.

22. 7. 65: Ausschreibung eines Architektenwettbewerbs „… zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau eines Gymnasiums mit einer Maximalzahl von 800 Schülern …“ Dieser Wettbewerb findet ein breites Echo. Von 21 eingegangenen Entwürfen zeichnet das Preisgericht den Entwurf der Architekten Schmitt und Kasimir mit dem ersten Preis aus.

20. 6. 68: Erster Spatenstich für den Neubau des Gymnasiums durch den damaligen Bürgermeister Karl Frank. Dieses Ritual wird mit einem Spaten vollzogen, der noch aus der Zeit der Gründung dieser Stadt als Festung erhalten ist. In einem alten Inventar wird er wie folgt beschrieben: „Ein Spaten de anno 1615, womit Ihre Fürstliche Gnaden Philipp Christoph von Sötern den ersten Wasen zu hiesiger Festung gestochen.“ Die Stelle, an der dies geschah, ist das heutige „Forum“ der Schule.

13. 12. 68: Richtfest der ersten Baustufe.

8. 9. 69: Am ersten Schultag des Schuljahres 1969/70 wird der Unterricht in der inzwischen fertiggestellten Baustufe aufgenommen. Ebenso programmgemäß verläuft der Ausbau der zweiten Baustufe, die schon ein Jahr danach in Betrieb genommen werden kann.

8. 5. 71: Festfeier zur Einweihung des Gymnasiums im Lichthof der Schule. Mit stolzer Genugtuung kann Bürgermeister Karl Frank aus der Hand des Architekten den Schlüssel für dieses 7-Millionen-Projektent gegennehmen. Nach seinen Worten wurde durch diese Investition „…der feste Wille des Gemeinderats, eine Bildungsstätte zu bauen, in der sich die Jugend gewissenhaft auf das Leben vorbereiten kann …“ zum Ausdruck gebracht.
Die besondere Verbundenheit zwischen Kultusministerium, Schulträger und Schule kommt durch ein Grußwort von Kultusminister Prof. Dr. Hahn zum Ausdruck, das Präsident Dr. Unruh der Festversammlung übermittelt.

30. 6. 73: Entlassung des ersten Abiturientenjahrgangs mit 16 Abiturientinnen und Abiturienten im Forum der Schule.

 

4. 9. 73: Mit Beginn dieses Schuljahres wird – mit der damaligen Klasse 11 beginnend – ein Schulversuch zur Reform der gymnasialen Oberstufe in der Sekundarstufe II in die Wege geleitet. Mit diesem Schulversuch will das Kultusministerium Erfahrungswerte für die landesweite Durchführung einer Reform der Sekundarstufe II gewinnen, wie dies eine am 7. 7. 72 getroffene Vereinbarung der Kultusministerkonferenz vorsieht. Mit Ende des Schuljahres 1978/79 war der Versuch abgeschlossen. Inzwischen ist die Umgestaltung der herkömmlichen gymnasialen Oberstufe auf dieses neue Organisationssystem an allen Gymnasien Baden-Württembergs vollzogen.

 

8. 2. 76: Inbetriebnahme der Schwimmhalle beim Schulzentrum, nachdem die im gleichen Gebäudekomplex untergebrachte vierteilige Sporthalle bereits seit September 1975 von der Schule genutzt werden kann.

29. 5. 79: Das Bürgermeisteramt Philippsburg teilt dem Oberschulamt mit, daß die Schule den Namen COPERNICUS-GYMNASIUM führen und die formelle Namensgebung im Rahmen einer Feierstunde aus Anlaß des 15-jährigen Bestehens des Gymnasiums im Jahre 1980 vollzogen werden soll.

6. 3. 80: Das Kultusministerium stimmt dem von der Stadt Philippsburg auf Vorschlag der Gesamtlehrerkonferenz und der Schulkonferenz unterbreiteten Antrag zu, mit Beginn des Schuljahres 1980/81 den neusprachlichen Zug II durch den neusprachlichen Zug I stufenweise zu ersetzen.

15. 10. 80: Fertigstellung der Pausenhofanlagen.

18. 10. 80: Schuljubiläum aus Anlaß des 15-jährigen Bestehens und der Namensgebung der Schule. Im Rahmen einer Feierstunde wird eine Copernicus-Ausstellung eröffnet und eine Majolika-Wandplatte mit den Ortswappen des Schulträgers und den Orten des Einzugsgebiets enthüllt. Ferner wird eine Sonnenuhr, die als Inschrift den Namen des Nikolaus Copernicus und das von ihm stammenden Postulat „In medio vero omnium residet Sol“ trägt, den Schülern übergeben.

… to be continued.

Kurt Brandes: „15 Jahre Gymnasium Philippsburg. Eine Dokumentation über die Entwicklung des Copernicus-Gymnasiums“, in: „Festschrift zur Namensgebung, 1965-1980“, hrsg. von Copernicus-Gymnasium Philippsburg, Philippsburg 1980, S. 61f.

 

 

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