Aufwachsen mit Social Media Reviewed by Momizat on . Aufwachsen mit Social Media – Eine verlorene Kindheit? Sanft erwache ich in meinem wackeligen Wasserbett, die Sonne scheint durch den Schlitz meiner Gardine und Aufwachsen mit Social Media – Eine verlorene Kindheit? Sanft erwache ich in meinem wackeligen Wasserbett, die Sonne scheint durch den Schlitz meiner Gardine und Rating: 0

Aufwachsen mit Social Media

Aufwachsen mit Social Media – Eine verlorene Kindheit?

Sanft erwache ich in meinem wackeligen Wasserbett, die Sonne scheint durch den Schlitz meiner Gardine und in all dieser morgendlichen Idylle klingelt laut mein Handywecker. Als Kind wurde ich noch von meiner Mutter geweckt, nun hat diese Rolle schon längst mein Handy übernommen. Ich stehe auf und beginne den Tag mit meinem obligatorischen Blick auf mein Handy. Der tägliche, regelmäßige Blick auf mein Smartphone ist genauso wichtig, wie der Blick in den Spiegel. Ich muss doch wissen, ob ich mich in der Welt sehen lassen kann und brauche dafür das Wissen meines Smartphones.

„Wir denken nicht, wir googeln“ , so lautet ein Werbespruch. Das stimmt!

Auf meinem Weg zur Arbeit sehe ich überall Menschen, die verkabelt sind. Jeder trägt sein Smartphone in der Hand und ist vollkommen versunken darin. Egal ob Wetterbericht, Chats oder Nachrichten, das Handy entführt uns in andere Welten. Doch was mir an diesem Tag besonders auffällt, sind die Kinder. Sie wachsen in dieser Welt auf. Ob Snapchat, WhatsApp oder Instagram, bereits in den Grundschulen ist das zur Normalität geworden, dass jedes Kind in diesem Alter schon ein Smartphone bei sich trägt. Und die Kinder, die kein Smartphone haben, werden ausgeschlossen. Sie gehören nicht zu dieser digitalen Welt dazu. Was wird bloß aus diesen Kindern, was wird bloß aus dieser Welt?

Wir sind auf Bäume geklettert, haben den Mount Everest bestiegen. Wir waren die Könige der Welt, die ganze Welt lag uns zu Füßen. Wir haben mit Barbies gespielt, Puppen waren unsere Kinder. Wir spielten Räuber und Gendarm, haben bei Freunden geklingelt und nicht auf WhatsApp geschrieben. Wir haben draußen gespielt, bis die Sonne untergeht, dann sollten wir erst zu Hause sein. Wir tanzten durch den Regen, wir waren nicht aus Zucker. Manchmal haben wir Prinzessin gespielt und waren in unseren Kostümen echte Hingucker.

Was ist ein Handy, was ist ein Smartphone?

All das gab es früher nicht. Früher gab es noch Langeweile, jede Sekunde war eine Stunde. Jetzt sitzt jeder planlos vor dem Smartphone und lässt die Zeit verstreichen. Die Kindheit, eine so wichtige Zeit, geht so einfach verloren. Draußen haben wir Fußball gespielt und saßen nicht drinnen und haben Fifa gezockt. Facebook, Twitter, Instagram gab es da noch nicht.

Plötzlich reißt mich ein hupendes Auto hinter mir aus meinen Gedanken. Als ich feststelle, dass die Ampel nicht grüner wird, setze ich meinen Fuß auf das Gas und mache mich vom Acker. Konzentriert fahre ich weiter. Doch als ich am Kindergarten „Regenbogen“ vorbeifahre, sind meine Gedanken schon wieder ganz wo anders.

Bereits bei Kleinkindern war mir schon einmal bewusst geworden, dass auch diese sich von digitalen Medien fast magisch angezogen fühlen. Schon fast 70% der Kita-Kinder benutzen ein Smartphone oder Tablet mehr als eine Stunde täglich. Ist heute Knete, Basteln oder Straßenkreide überhaupt noch ein Begriff? Wir Erwachsenen oder vor allem auch Jugendliche oder große Geschwister gaben Vorbildfunktionen für Kinder ab. So ist es kein Wunder, dass die digitale Welt so faszinierend für sie ist. Auch die heutige Jugend hat sich extrem durch Social Media beeinflussen lassen, sei es durch Schönheitsideale oder irgendwelche YouTube-Stars. Die Bibi in meiner Kindheit hieß Blocksberg und nicht BeautyPalace und wenn ich Model sein wollte, dann war ich eben Model. Für so etwas musste ich keine 10 Tage hungern. Alles war so leicht, so unbeschwert, so einfach. Der Duschkopf war ein Telefonhörer, der Eierschneider meine E-Gitarre und die Gardine bei meiner Oma war mein Brautkleid. Und heute sitzen die Kinder vor dem Fernseher und schauen „Berlin – Tag und Nacht“ und nicht mal mehr die „Gummibärenbande“.

Was ist nur aus der Kindheit geworden? Man hat doch nur eine Kindheit, und diese sollte unvergesslich sein und nicht schon in so frühem Alter von der digitalen Welt beeinflusst werden.

Kopfschüttelnd fahre ich auf den Parkplatz. Auf dem Schild lese ich „Redaktion – Konradradsblatt“. Blitzartig schaue ich auf die Uhr. Verflixt, schon wieder fast eine halbe Stunde zu spät. Hab ich wirklich so getrödelt?

Na immerhin hab ich jetzt eine Story für mein Titelblatt.

(Hanna Feth, KS2)

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