Römische Technik – Anfassen heißt verstehen Reviewed by Momizat on . Das lateinische Verb „capere“ („nach etwas fassen“, „etwas greifen“) hat über die Jahrtausende von den Römern bis in unsere Zeit überlebt und findet sich im Deu Das lateinische Verb „capere“ („nach etwas fassen“, „etwas greifen“) hat über die Jahrtausende von den Römern bis in unsere Zeit überlebt und findet sich im Deu Rating: 0

Römische Technik – Anfassen heißt verstehen

Das lateinische Verb „capere“ („nach etwas fassen“, „etwas greifen“) hat über die Jahrtausende von den Römern bis in unsere Zeit überlebt und findet sich im Deutschen auch im Ausdruck „kapieren“ wieder. Wenn wir etwas wirklich „kapieren“ wollen, hilft es oft ungemein, nach dem Lerngegenstand zu greifen, ihn tatsächlich in die Hand zu nehmen, von allen Seiten zu betrachten und vor allem: auszuprobieren. Anfassen heißt verstehen.

Diesem Motto hat sich Lothar Weis ganz und gar verschrieben. Der pensionierte Pädagoge aus dem benachbarten Kirrlach ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der römischen Technik. Ob Vermessungsgeräte, Wasserpumpen, Kriegsgeräte wie das Katapult oder der Scorpio und vieles, vieles mehr: über Jahre hinweg hat der experimentelle Archäologe basierend auf Funden und literarischen Quellen in verkleinertem Maßstab exakte Modelle angefertigt, klein genug, um sie zu transportieren, groß genug aber, um sie tatsächlich bedienen zu können. Nun hatte er sich die Zeit genommen, um am Copernicus-Gymnasium mit den Lateinerinnen und Lateinern der Klassen 7b und 7d einen Vormittag lang in die Antike einzutauchen.

Nicht nur durch seine äußere Erscheinung, gekleidet in die rote Tunika eines römischen Offiziers und als solcher auch durch den dazugehörigen Kriegsgürtel erkennbar, sondern auch durch seine lebendige Art des Erzählens, die direkte Ansprache, seine Spontanität und die Leidenschaft für die Sache zog er die Zuhörenden über Stunden in seinen Bann. Dabei lag ihm vor allem am Herzen, die Schülerinnen und Schüler selbst tätig werden zu lassen. So wurde unter anderem mit der „Groma“, dem Winkelkreuz, im rechten Winkel auf den Zentimeter genau vermessen, mit dem „Chorobat“ als Wasserwaage gearbeitet oder mithilfe einer Tretmühle schwerste Lasten gehoben. Bereits da wurde jedem offensichtlich, warum viele römische Bauten die Jahrtausende überdauerten und dass die „moderne“ Technik hier ein Vorbild gefunden hatte, an dem sie sich bis heute orientiert.

Fasziniert waren die Siebtklässler natürlich auch von der Militärtechnik. Mit den Miniaturen eines Katapults und eines Scorpio wurden im Lichthof von den Schülerinnen und Schülern voller Begeisterung reichlich Gummibälle und stumpfe Pfeile verschossen, allerdings immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass es sich bei diesen Waffen im Original um präzise Kriegsmaschinen handelte. Es verwundert nicht, dass die Römer mit ihrer hochentwickelten Kriegstechnik und der Vielzahl an straff organisierten Legionen ihren Gegnern weit überlegen waren. Aus dem kleinen Dorf am Tiber war so über die Jahrhunderte ein Weltreich, das „Imperium Romanum“, entstanden, unter anderem mit der Auswirkung, dass sich Schülerinnen und Schüler aus meist drei Klassen der jeweiligen Jahrgänge unserer Schule für das Erlernen der lateinischen Sprache entscheiden.

Betont sei an dieser Stelle aber, dass das pädagogische Angebot von Herrn Weis nicht ausschließlich junge „Römerinnen und Römer“ fasziniert. Ob NWT, Mathematik, Physik, Geschichte: in diesen und weiteren Fächern lässt sich sein Material anschaulich und gewinnbringend einsetzen.

Wer die Stücke selbst einmal bewundern und deren Konstrukteur kennenlernen will, dem sei der 2. und 3. September empfohlen. An diesen Tagen wird Lothar Weis im Rahmen des Stadtfestes Waghäusel in der Eremitage vertreten sein. Es ist wohl fest damit zu rechnen, dass man dort auch wieder auf Schülerinnen und Schüler treffen wird, die sich bereits von der Technik begeistern ließen oder weiterhin neugierig sind, zumal wir an einem Vormittag tatsächlich nur Bruchstücke des vielfältigen Materials bestaunen konnten. (We)

 

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